Montaigu-le-Blin und ein wenig Nostalgie

Wenn ein Dorf in unserer Gegend eine fast magische „Aura“ hat, dann ist es Montaigu le Blin. Dabei ist es gar nicht so spektakulär gelegen, zu weit weg von einer größeren Stadt (Vichy), kein Wald, rundum nur Äcker und Felder. Kaum Jemand vermutet  hier eine so extrem hohe Dichte von Maisons Bourgeoise und Dornröschen Schlössern.

Man bedenke, es wohnen hier nur etwas mehr als 300 Menschen, es weder einen Bäcker noch eine klitzekleine Epicerie oder Geschäfte gibt, auch keine  wirtschaftlichen Gründe, sich als reicher „Erbe“ in diesem verschlafenen Ort anzusiedeln. Im Internet habe ich kaum eine Zeile zur Geschichte gefunden, aber im Sommer werden für Touristen kleine Führungen organisiert und vielleicht erfahre ich dann mehr. Es ist ein Ausflug in vergangene Zeiten, wenn man im zentral gelegenen Park ankommt.

Uralte Linden und Platanen verdecken die Aussicht auf  zahlreiche und meist verschlossene Maisons de Bourgeoise, aber in ihrem Schatten erholen sich gerne Mensch und Tier.

 Nun sind wir im Umgang mit Pferden keine Anfänger, aber es war wirklich faszinierend, wie ruhig sich diese Reitergruppe in diese Dorfidylle einfügte.
Auf die Pferde übertrug sich diese Ruhe und wir entdeckten sogar einen Fjord, hier in La France keine weit verbreitetet Rasse.
Dieses Maison faszinierte mich seit Jahren, aber jedesmal waren die Fensterläden fest verschlossen und ich konnte nur phantasieren von hohen Räumen und alten knarrenden Bodendielen.
Von schweren Vorhängen und luftigen Gardinen, einer Orangerie und einem grossen sonnigen Salon, mit Kamin und hohen Bücherregalen.
Doch jetzt hatte ich Glück.
Das Haus hatte seine Augen geöffnet und gab einen vorsichtigen Lebenshauch von sich.
Immer wieder erstaunt es mich, wie lange die Franzosen ihr Interieur konservieren, entweder alles ist uralt „dans son jus“ oder modern und minimalistisch. Ich mag das erstere lieber, ein vergilbtes Tapetenmuster, ein Riss im schweren Damast Vorhang, etwas abgeblätterte Farbe und eine klemmende Tür, ein Haus, das atmet und lebt, mit Narben und Schrammen, aber mit einem interessanten „Gesicht“….
Von der Geschichte dieses Dorfes  ist kaum etwas „digitalisiert“, geblieben ist die Hardware, denn in den Häusern und Räumen, spiegelt sich die Vergangenheit.
Was bleibt, sind die von Generation auf Generation vererbten Dinge, die Kaffeetasse mit dem Sprung, aber von Uroma, eine alte Vase und vielleicht sogar ein schlohweisses Nachthemd, einmal getragen von Camille, aus feinstem Leinen oder Batist, das seine Geschichte erzählt.
 Früher war sicher nicht alles besser und bestimmt nicht leichter, aber die Menschen hatten und haben hier mehr Raum zum atmen, für Freizeit und Lebensgenuss… Hinter den Mauern der Villen und Schlösser trafen sich die Leben von Reich und Arm, aber doch miteinander verschlungene Leben hinter dem selben Zaun.
 Ich mag dieses Dorf in seinem Flair vergangener Zeiten, man könnte meinen, Madame Bovary kommt so um die Ecke spaziert. Jedes Haus hat sein Geheimnis und es sind immer noch die alten Lindenbäume, die sie sich leise zu flüstern.
Manchmal ist es schön, Romantik einfach pur zu erleben,
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