FadenStilles Interview

In diesem Interview mit Elke vom KnitPro Blog DE erfahrt ihr etwas mehr über mich.

Seit wann strickst du und wann hast du mit dem designen angefangen?

Seit mehr als 40 Jahren, eine Ewigkeit also, gelernt habe ich es von meiner Mutter, einer leidenschaftlichen  Fair Isle Strickerin, in Bezug auf diese Technik konnte sie mich jedoch nie begeistern.

Die Liebe zum Handarbeiten habe ich jedoch von meiner ”Oma Ursel” geerbt, sie „strickte ohne R” und genau wie sie,  kann ich stundenlang auf einer Gartenbank sitzen, die Aussicht in die Berge genießen, dem Vogelgezwitscher  lauschen und st(r)icken.

Meine beruflichen Wurzeln liegen und er Sprach Methodik, also wie lernt man am besten, im Grunde ist ja auch jedes Strickstück immer ein Lernprozess, den ich in meinen Anleitungen in hoffentlich passende Bahnen leite.

Warum gerade stricken?

Stricken ist für mich die perfekte Balance zwischen Entspannung und Spannung, ich mag Muster, die einprägsam sind, leicht zu stricken, jedoch komplizierter wirken…

Harmonie in Material und Muster, bewirkt oft eine innere Harmonie, in der Strickerin selbst oder wenigstens eine gewisse innere Ruhe, die ich beim ”Rattern” meiner Nähmaschine nie finden könnte.

Ein Grund, warum ich Kindern immer das Stricken nahe legen würde, es fördert Geduld und Ausdauer, Konzentration, Fingerfertigkeit und nicht zuletzt Kopfrechnen.

Stricken basiert auf der Fähigkeit zu Visualisieren, sich aus ein paar Knäulen Wolle, einen Pullover vorzustellen, zu planen, mit Farben umzugehen und letztendlich etwas Tragbares, reell Tastbares in den Händen zu halten, welches Computerspiel kann da mithalten?

Woher kommen deine Ideen?

Eine Zeitlang habe ich mich an historischen Kostümen orientiert, dabei entstand der  Nostalgiepullover und ein Zopfkleid, für beide gibt es noch immer kein Pattern, denn wirklich tragbar sind diese Teile im Alltag sicher nicht.

Seit 11 Jahren wohne ich in Frankreich, recht isoliert, auf dem Land, zwischen Wiesen und Wäldern und es läge vor der Hand zu sagen: ”Meine Inspiration hole ich aus der Natur, dem Spiel von Schatten und Licht, der Struktur von Bäumen und Blättern, aber dem ist nicht so…

Es gibt nur eine Antwort auf diese Frage, die Inspiration kommt für mich einzig und allein aus dem Garn, aus der Wolle selbst. Sie erzählt ihre Geschichte, der Pullover oder die Jacke sind ja schon drin, in dem Strang, in dem Knäul…

Es ist das Garn, welches mir „zuflüstert“, was es werden will, darum „lebe“ ich auch immer eine Weile mit meinen” Neuzugängen”, sie liegen immer griffbereit, begleiten mich auch mal bei langen Waldspaziergängen….

Manche Garne warten Monate, wenn nicht Jahre, auf ihre” Bestimmung”, bis auf einmal der Funke überspringt, dann ist der Entwurf in meinem Kopf bereits fertig, bevor ich überhaupt anfange zu stricken.

Dass ich dabei natürliche Farben bevorzuge, liegt jedoch sicher an meiner Naturverbundenheit, zu Farben, die ich in der Natur nicht finde, werde ich mich auch nicht hinreißen lassen.

Ich habe das große Glück, mit drei fantastischen Wollsponsoren zusammen zu arbeiten, Trendgarne, DyeForYarn und Pascuali, ihr Spektrum an neuen Garnqualitäten und Farben ist unendlich und jedes Garn birgt eben eine neue Idee in sich. Man vertraut mir wertvolle Garne an und dieses Vertrauen in meine Entwürfe motiviert mich, ihnen habe ich es zu verdanken, dass ich meine Anleitungen gratis zur Verfügung stellen kann, sie stellen mich in die Lage meine Leidenschaft für Seiden Garne oder Gemische voll und ganz ”aus zu stricken“

Wie findest du die richtige Balance zwischen entwerfen und bloggen und der Verwaltung der FadeStille?

Mit dem Wachsen unserer FadenStilleStrickRomantik Gruppe auf Ravelry ist mir diese Balance etwas verloren gegangen,  am liebsten stricke ich und am Laptop sitze ich eher ungern, ohne das Verständnis meines Mannes für den immensen Zeitaufwand, den das Entwerfen und der Austausch auf Blog und Ravelry  fragt, gäbe es die FadenStille sicher nicht.

Auf welchen Entwurf bist du  besonders stolz?

Immer auf den „Letzten“, da er hoffentlich den Vorherigen in seiner Qualität übertrifft, weil man aus Fehlern gelernt hat, bei mir ist das der Diviana Entwurf, mein erster TopDown Entwurf mit einem angenehmen Kragenlösung, vorne tiefer in verk. Reihen….und das auch noch in einem Zopfmuster….

Was kennzeichnet deine spezielle ”Handschrift”?

Ich entwickle die Passform meiner Entwürfe oft aus dem Muster heraus, d.h., ich nehme im Muster selbst ab oder zu, ein Muster wächst sozusagen organisch aus sich selbst heraus, die Rose of Jericho kennt keine einzige Seitennaht oder sichtbare Zunahmen…

Erst im Nachhinein wurde die Ähnlichkeit mit der wirklichen Pflanze deutlich, die dem Pullover neben der tollen DyeForYarn Färbung zum Namen verhalf…

Hast du ein Horrorstrickgeschichte oder Missgeschick?

Nein , damit kann ich zum Glück nicht dienen, im Gegensatz zum nähen, wobei man einen Stoff mit einem verkehrten Schnitt als „reif für die Tonne“ erklären kann, verzeiht Wolle im Grunde alles, ich trenne rigoros ohne Pardon und ohne Groll und fange einfach neu an…

Welchen guten Rat kannst du Strickerinnen auf den Weg geben…

Kauft immer die beste Wolle, die ihr euch leisten könnt, schöne Wolle inspiriert und motiviert, es ist ein Luxus, wie ein Parfüm, das man sich ja auch nicht jeden Monat kauft…

Spart lieber jede Woche ein paar Euro für ein gutes Garn, denn ein zeitloser Pullover, kann damit zu einem sehr treuen Wegbegleiter werden. Selbst bin ich eine extreme ”Langsamstrickerin”, stricke also bei weitem mehr Stunden an einem Pullover, als das ich ihn je tragen werde, darum finde ich das Garn so wichtig, es muss schon beim Stricken selbst, ein Genuss sein.

Und dann der wichtigste Rat:

Stricke mit allen Sinnen, Wolle ist wertvoll, kommt oft vom anderen Ende der Welt, hat erst andere Lebewesen gewärmt, wurde sorgfältig selektiert, gewaschen, versponnen und gefärbt, darum geniesse dieses einzigartige Material mit allen Sinnen.

Strick einmal mitten im Wald, auf einer Blumenwiese, am Meer oder an einem einsamen Ort und hör beim Stricken dem Gesang der Sille zu….