Châtelperron – Gesang der Stille Teil 1

Ich wohne seit 9 Jahren in La France und noch nie hat sich der Frühherbst so sommerlich angelassen, wie in diesem Jahr.
Und wie so oft, bin ich froh, nicht im gewittergeplagten Süden des Landes zu wohnen, hier zwischen Auvergne und Bourgogne plätschert das Leben vor sich hin, wie ein tropfender Wasserhahn, der gerade mal so undicht ist, dass man ihn noch lange nicht reparieren muss…
In kleinen, verschlafenen Dörfern, wie diesem
Châtelperron fernab von Hochspannungsleitungen, TGV, Industrie und allen anderen Errungenschaften des 21. Jahrhunderts, lebt man mit und fast in, der Geschichte selbst.
Auf dem Weg zur Burg ….
wacht ein „strenger“ Turm  über das gesamte Gehöft mit seinen 150 Einwohnern, die nach franz. Recht auch ihren eigenen Bürgermeister und Gemeinderat wählen.
 
Was sich hinter diesen Gittern und ihrem „Abfluss“ verbarg möchte ich mir gar nicht vorstellen…
Eine kleine Variante der „Seufzerbrücke“?
Vielleicht erinnert ihr euch noch an denselben
in den es uns im Frühling zufälligerweise verschlug.
Wieder öffnete sich die Gartenpforte, aber dieses Mal mit einer Überraschung…
Heute lud uns die „Gärtnerin“ persönlich dazu ein, mit ihr die Stille dieses Ortes zu teilen.
Das folgende Foto spiegelt  die französische “ joie de vivre“ – Lebensfreude wieder.
Mit einfachen Mitteln , optimal den Moment zu genießen.
An einem kleinen Tisch, mehr oder weniger improvisiert, zwischen Lavendel und Cosmea dem
Gesang der Stille lauschen….
Die Sinne verwöhnen, mit Düften, Farben, Formen, Aussichten und vor allem dem
Gesang der absoluten Stille.
Ganz unfranzösisch, hört man weder Kettensäge, noch Jagdhundgebell…

Und wieder wurde ich von dieser besonderen Kletter Rose angezogen, sie blüht hellrosa, aber die Gärtnerin benannte sie als Blanche de … ?????
Auf jeden Fall blüht sie durchgehend, bis in den späten Herbst hinein und ist super gesund…
Keine einzige Laus läuft ihr über die „Leber“ und ihr Duft ist eher bescheiden…
Nur unter Blanche ….???? konnte ich in keiner Rosenübersicht diese rosa Rose finden, schade….
 Von der Gärtnerin erfuhren wir auch, dass es sich bei diesem Ort nicht um ein ehemaliges Burggelände handelt, sondern um das Dorfzentrum, dessen Mittelpunkt

dieser Brunnen war und das Haus dahinter diente als Dorfgasthof .
Ich sehe die Schankmädchen am Brunnen Wasser holen und den Wirt, neugierig in der Tür stehen, nach Gästen Ausschau haltend…
 Ich kann euch versichern, solch einen Ort hätte die Zivilisation in Holland schon längst „erobert“, als Pfannkuchenrestaurant, mit bunten Sonnenschirmen und Terrassenheizung, einem gut gefüllten Eiskarren und buntem Kinderspielplatz ohne
Gesang der Stille….
 Hier aber bleibt die Zeit stehen, ist der Supermarkt in 20km Entfernung (Hinfahrt) und vergnügt sich eine einsame Gärtnerin mit ihren Pflanzen und deren Besuchern…
Und wir, als zufällige Reisende lauschen noch ein paar Takte nach dem
Gesang der Stille, dieser späten Clematis
Die Nonchalance dieses Gartens macht seinen Charme aus, eine bepflanzte Wildnis…in der die Menschenhand kaum sichtbar ist.
Auch diese Nonchalance ist für holländische Begriffe undenkbar.
Ein Garten ohne sichtbar begrenzten Pfad, unaufgeräumt, wild und störrisch.
Mit bunten Gießkannen hier und da verstreut und einer abgedankten Schubkarre ohne Rad…
Dagegen gefüllt mit der Liebe zur Natur, einem Respekt für das Ursprüngliche und der sprichwörtlichen, allgegenwärtigen franz. Lässigkeit.
Und gefüllt mit Rosen, auch wenn wir ihren Namen nicht kennen…
Und mit dem Gesang der Stille….
Heute, morgen und hoffentlich auch im nächsten Jahr.