Fleury Jacke Tutorial

Teil 1 – Kragen und Schultern

Vorab ein kurzes Wort zur Größenbestimmung. Im Zweifel immer eine Größe höher stricken, vor allem bei stärkeren Oberarmen und etwas mehr Oberweite. Vor der Teilung von Ärmel und Body kann man immer noch in der Weite korrigieren, dabei eventuell „vorwaschen“.

Eine der kniffligsten Hürden, die es bei der Fleury Jacke zu nehmen gilt, ist das Stricken des Kragens mit anschliessendem „Herausstricken“ und Einteilen der Maschen.

Für die linke Kragenhälfte werden die Maschen provisorisch angeschlagen. Ich bevorzuge diesen Wickelanschlag und benutze dabei eine sehr dünne Nadel zusammen mit der „Arbeitsnadel“. Den Knötchenrand stricke ich am liebsten, der erleichtert das Aufnehmen von Maschen.

Die rechte Kragenhälfte immer in einer Hinreihe anstricken, die Zentimeterangaben sind dabei nicht auf den halben cm bindend und der Übergang sollte möglichst unsichtbar sein.

Am schwierigsten  gestaltet sich immer das gleichmäßige Herausstricken der Maschen für die Einteilung, auch hier eine dünnere Nadel verwenden.

Die Mitte  von RT, Ärmel und VT ( Maschenzahl immer ungerade) bildet immer eine rechte Masche der Rückreihe, die Hinreihen werden immer links gestrickt (bis auf den Kragen und die Raglanzöpfe).

Bei mir bildet sich dabei eine etwas „unschöne Naht, die ich später mit Kettstichen korrigiert habe, es lohnt sich diese zu „machen“, denn der Kragen bekommt im Nacken mehr „Stand“.IMG_2200Nach der mühsamen Einteilung, werden nur im RT ein paar verkürzte Reihen gearbeitet, der Nacken wird dadurch etwas höher und der V-Ausschnitt fällt besser über die Schultern. Anstatt der W&W können auf Wunsch auch Doppelmaschen gestrickt werden.IMG_2202

Für den perfekten V Ausschnitt, werden die Maschen der beiden vorderen Raglanzöpfe (RZ) in den ersten Reihen zugenommen, wenn alle RZ vollendet sind, wird für das VT in jeder 4. Reihe neben dem Kragen und in jeder 2. Reihe im Raglan zugenommen.

Das Zopfmuster in der Kragenblende und im Raglan wird immer in der gleichen Reihe gestrickt, denn wir wollen ja keinen Stress aufkommen lassen. Nächste Hürde, das Knospenmuster von Chart C, eine „Knospe“ bildet immer die Hintere Mitte.IMG_2272In jeder folgenden Hinreihe wird für die nächsten Knospen in der Schräge zugenommen, dabei die Raglanzunahmen nicht vergessen (räusper), aber „Multitasking“ sind wir eh gewohnt. Bitte darauf achten, dass das Zopfmuster auch nach der „Knospen-Etappe“ stimmt. Nun entspannt bis zum Erreichen der angegebenen Maschenzahl für die Teilung von Ärmel und Body weiter stricken, eventuell vorwaschen und prüfen, ob der Raglan die richtige Länge hat. Die Pascuali Bayak behält auch nach dem Waschen perfekt ihre Form und „wächst“ nur minimal.

Hier zur Abwechslung und weil das Foto auch den natürlichen Charakter der Trägern so wunderbar spiegelt, ein Tragebild von Bärbel. (Fleury Jacke in Pascuali Bayak Farbe Silbergrau (04),  Foto mit Zustimmung von Baerborn verwendet.P3070292_medium2Ende Juli werden im Pascuali Shop wieder alle und auch neue Bayak Farben vorrätig sein und davor verspreche ich noch einen Garnpost.SONY DSC

Teil 2 Trennung Ärmel und Body

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Diese Etappe ist eine der spannendsten und sicher eine kleine Herausforderung. Die Ärmel werden still gelegt und die beiden VT können zusammen mit dem RT als ein Ganzes gearbeitet werden. Die Maschenzahl sollte  insgesamt teilbar durch 4 sein, mit einer ungerade Anzahl von Zöpfen (da ein Zopf die hintere Mitte bildet).SONY DSCUnmittelbar nach der Einteilungs Hinreihe wird in den kleinen Grössen mir dem Knospenmuster begonnen. Bei langem Oberkörper sollten erst ein paar cm gerade gestrickt werden, damit die Schräge der verkürzten  Reihen nicht zu hoch verläuft.     Zum Glück haben wir nach dem Rückenteil schon tüchtig Übung im „Knospen stricken“ und müssen nur darauf achten, dass der Chart D im VT stimmt. Hier sind eventuell ein paar selbständige Anpassungen nötig. fleury_jacke_002_medium2 (1)Im Grunde genommen, geht das Zopfmuster automatisch vom VT in das RT über, bei einigen Grössen, mit einer ungeraden Anzahl Knospen, kann es nötige sein, den letzten Zopf vor dem RT um zwei Reihen zu verlängern. Erfahrene Strickerinnen haben die genaue Verzopfung sogar ausgezählt und präzise berechnet, wann die erste Knospe gestrickt werden muss um den Übergang perfekt hinzubekommen.

Hier eine Grundformel:

  • In allen Charts ist nur das Prinzip des Musterverlaufs angegeben, nicht die tatsächliche MZ! Chart D  verdeutlicht nur die Zopfreihe, in der ”verkreuzt wird”, ausgehend vom Beginn der ersten Knospe neben dem li und re Kr. Dieser Beginn kann folgendermassen für jede Gr. bestimmt werden: Ausgehend von der Verkreuzung in dem Zopf,  welcher die hintere Mitte des RT markiert, wird nun jeder 4. Zopf verkreuzt , zählt man in diesem Dreierschritt von der Mitte ausgehend nach außen über die Seitenränder des RT hinweg bis vor den li und re Kr, ergibt sich automatisch der Beginn der ersten ”Knospenreihe”. 

Ein etwas längerer Zopf an der Seite fällt jedoch kaum auf und bietet sich auch löst das Problem ebenfalls.SONY DSCIn der letzten Verzopfung wird im Umschlag mittels KFB eine M zugenommen, die Jacke bekommt dadurch ihre schwingende Weite und die Zunahme ist unsichtbar. Richtig Spass haben mir bei der Jacke die verkürzten Reihen gemacht, im Original mittels W&W, aber auch DM sind möglich. Auf dem Foto oben wird deutlich, dass auch bei W&W keine unliebsamen Löcher entstehen, sie verschwinden in der linken Masche und das herrliche Bayak Garn schluckt sie außerdem.

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Die verk. Reihen beginnen in einer HR wobei  erst eine Kragenhälfte gestrickt wird, nach der letzten verk. RR wird die andere Kragenhälfte in der gleichen Reihe gearbeitet. Jeder Strickerin ist selbst überlassen, wie weit und „gebogen“ sie die Jacke haben will, werden alle Umschläge „verdoppelt“ und die verk. Reihen bist fast neben der hinteren Mitte gestrickt, wird die Jacke hinten deutlich länger als vorne. Mit ihrer Erlaubnis zeige ich Bärbel’s  Fleury in Pascuali Bayak. Immer wieder übertreffen die Teststrickerinnen das Original.P3070272_medium2 (1)Nach den verkürzten Reihen beginnt das „Bahnenschwimmen“. Bis zum Beginn der Bordüre, die absolut langweiligste Etappe, aber dafür entschädigt am Ende der Blattabschluss für das Durchhalten. Das Abschätzen einer idealen Länge lege ich den Strickerinnen mehr oder weniger nach eigenen Wünschen und vor allem persönlicher Körpergrösse, nahe. Eventuell kann eine breite Zopfbahn weggelassen werden, um die Jacke insgesamt zu kürzen.

Auf jeden Fall hat mir Bärbel versichert, ihre Fleury Jacke passt, gefällt und wird gern getragen und manchmal sagen dies Bilder viel besser als Worte. P3070292_medium2

Teil 3 – Die Ärmel

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Sicher bin ich nicht die Einzige, die ungern Ärmel strickt, eigentlich unbegründet, denn wer, wie ich die Ärmel fast immer nach der Fertigstellung des Body’s strickt, hat dann auch wirklich die Zielgerade erreicht. Im Gegensatz zu vielen anderen Strickerinnen, die ihr Garn gerne für den Body „aufsparen“ und darum zuerst die Ärmel in Angriff nehmen, damit auch das gesamte Strickstück nicht an einem „Arm“ hängt, kann ich die Ärmellänge besser einschätzen, wenn der Body fertig ist.

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Sind alle still gelegten Maschen des Ärmels wieder aufgenommen, hat man zwei Möglichkeiten, entweder man strickt unter dem Arm im Muster weiter oder entscheidet sich für einen kleinen Ärmelzwickel, bei dem mehr Maschen als nötig heraus strickt und  dann in jeder oder jeder zweiten Runde wieder abgenommen werden.  Ich empfehle für kräftigere Oberarme, ohne Zwickel im Rippenmuster weiter zu stricken, gleichzeitig beginnt auch das Knospenmuster, um dem Ärmel etwas mehr Pfiff zu geben. Am schwierigsten gestaltet sich wohl das Einschätzen der Ärmellänge.

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Wer meine Entwürfe kennt, weiss, dass ich kein Vertreter starrer Regeln und Maßangaben bin.  Wir stricken zwar ein und das selbe Modell, haben aber ausnahmslos unterschiedliche Vorlieben und Körperproportionen. Zwei Frauen können die Größe M stricken, sind jedoch 158cm oder 168cm lang, kann da eine Maßtabelle nicht lediglich als Richtlinie dienen?

Schaut man sich Adelheids wirklich perfekt durchdachte Fleury Jacke in Rosy Green Wool an, kann man sich kaum vorstellen, dass sie hier ein XL gearbeitet hat, aber gerade das Anprobieren und Anpassen sind einer der Vorteile des Top down Strickens. Ich mag das untere Bild jedoch nicht nur wegen der idealen Jacken Passform, sondern auch weil es den Charakter des Modells ideal spiegelt, dessen Humor ich zu schätzen weiss, auch während unseres Teststricks.

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Wie viel länger die Jacke wird, wenn man im RT wirklich alle verkürzten Reihen strickt, wird auf diesem Foto deutlich. Adelheid hat hier eine ideale Länge getroffen. Die Jacke kann auch mit einem geraden Rückenteil gearbeitet werden, die verkürzten Reihen beendet man dann direkt an den Seiten.

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Meiner Meinung nach sind beim Stricken von oben drei Körpermaße von ausschlaggebendem Belang, die Oberweite, die Raglanlänge und der Oberarmumfang, sie bestimmen die perfekte Passform und können mit etwas Erfahrung für jede persönliche Proportion „zugeschnitten“ werden. Die Fleury Jacke ist keine Winterjacke, es passt lediglich ein dünnes T-Shirt darunter, jedoch kein Pullover, die Ärmel sind aber bequem „geschnitten“ und bieten ausreichenden Bewegungs-Freiraum und Adelheid strahlt hier nicht ohne Grund und für eine Designerin gibt es  wohl nichts Schöneres.

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